Im Juni 2011 erschien die Biografie von Christian Nicolaus über seine Jugend in der Zeit zwischen 1997 und 2002. Auf 128 Seiten beschreibt der Autor seine zwei Aufenthalte in Jugendhilfemaßnahmen an der Algarve und die Hintergründe dazu. Detailliert geht er auf sehr persönliche Erfahrungen ein und setzt sich mit den Leuten auseinander, die ihn umgaben. Ein interessantes Buch, das sich besonders an die Menschen wendet, die Ähnliches erlebt haben oder anderen helfen möchten.
Das Buch mit dem Titel: Per Jugendamt nach Portugal-Mein langer Weg zur Selbstständigkeit hat die ISBN 978-3-8423-5281-0 und ist bei Book on Demand erschienen. Es kann in allen Buchhandlungen, direkt bei BOD und online bestellt werden und kostet 9,95 Euro.
Book on Demand: Christian Nicolaus-Per Jugendamt nach Portugal
Textauszüge
Vorwort
Die vorliegende Geschichte erzählt von meiner Jugend zwischen 1997 und 2002. In diesem Zeitraum passierten die meisten Wendungen in meinem Leben, die mich zu einem erwachsenen Menschen werden ließen. Der Kern dieser Zeit liegt in zwei voneinander unabhängigen Maßnahmen der Jugendpädagogik im Ausland. Diese fanden in Portugal an der Algarve statt. Geschah die erste im Jahr 1999 mehr oder weniger auf Veranlassung meiner Mutter, habe ich mich im Jahr 2001 freiwillig zu einer zweiten Zeit im Ausland entschieden. Das Jugendamt stellte danach die Zusammenarbeit mit mir ein und bewertete die Maßnahmen als erfolglos. Auch das ist ein Grund, warum ich mich zur Verfassung dieser Geschichte verpflichtet sehe. Alle hier geschilderten Ereignisse sind mir tatsächlich so passiert. Ich habe nichts dazu erfunden.
Durchaus kann diese Geschichte darum herhalten, wenn es um die Diskussion über den Sinn von auslandspädagogischen Projekten geht. In den Medien wurde ergiebig über dieses Thema diskutiert. Es war die Rede, dass es zuviel Geld koste, dass den Jugendlichen damit nicht geholfen wird. Klar ist, dass ich nicht ohne Grund in solch ein Projekt vermittelt wurde. Ich wollte nicht gehen, sondern es gab eine lange, verzweifelte Vorgeschichte voller Hürden. Im Laufe der Zeit lernte ich viele Menschen kennen, die mir halfen. Gewiss haben sich die Mitarbeiter des Jugendamts um mich gekümmert. Aber sie saßen nur an der Schaltstelle. Die wirkliche Arbeit taten die Menschen, die meine Betreuer, meine Therapeuten waren. Und nicht zuletzt meine Freunde. Viele wurden gut bezahlt, andere halfen uneigennützig.
Alle Personen in diesem Buch traten wirklich und wie beschrieben in Erscheinung. Sofern Orte genannt werden, haben sich die Geschehnisse tatsächlich dort abgespielt. Alle Namen habe ich aus verständlichen Gründen verfremdet. Wie es nach Beendigung meines zweiten Aufenthalts im Jahre 2002 mit mir weiterging, habe ich am Schluss noch kurz geschildert.
Christian Nicolaus
Reutlingen, im Mai 2011
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Auszug von Seite 42 / 43
Ich verabschiedete mich noch von meinem Mitbewohner aus dem Ruhrgebiet, und zwei Tage später ging es los. Ich hatte Walters Haus bis dahin noch nicht gesehen und wusste außer aus seinen Erzählungen nichts über die Umstände, unter denen er lebt.
Der Hund namens Akko empfing uns dort sogleich. Ein Labradormischling, sehr aktiv und sehr zutraulich. Es war ein Grundstück in einem Dorf mit zwei Häusern darauf, in einem Haus wohnte Walter, in dem anderen eine Portugiesin mit einem Kind, die jedoch nicht viel mit Walter zu tun hatte. Ein Riesengrundstück, fand ich. Ich war etwas erschlagen. Christoph erledigte noch die Formalitäten und ging dann.
Walter war ein guter Erzähler. Ich fragte viel und wir redeten den ganzen restlichen Nachmittag, während des Abendessens und danach noch bis in die Nacht. Ich erfuhr von seiner Zeit bei den Indianern, von seinen Geschichten, wie er um die halbe Welt segelte, und dass er mal einige Zeit in Neustadt im Schwarzwald war. Wie ich. Bemerkenswert fand ich auch, dass er ein Album mit einem deutschen Schlagerstar in einem Hamburger Tonstudio aufgenommen und sogar ein halbes Jahr mit ihm zusammengewohnt hat, als er noch nicht so bekannt war. Walter scherzte, wenn ich mal in der Nähe von diesem Schlagerstar sei, könne ich mal klingeln und sagen, „So, ich kenne den Walter, bei dem hab ich mal gelebt, viele Grüße“. Christoph rief dann noch mal an und fragte, wie es ginge, Walter meinte: „Vorzüglich“, und erzählte, wie wir uns schon über deutsche Schlager unterhalten hatten. Christoph witzelte: „Na, der soll sich lieber um sich selber kümmern!“
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Auszug von Seite 44
Das erste Mal wurde ich unsicher, als ich mich wieder einmal eines Abends mit Walter unterhielt. Er saß neben mir. Ich stand, draußen vor dem Haus, und wir redeten über etwas, was ihm nicht lag. Plötzlich schaute er mich mit wuterfüllten Augen an und sagte: „Pass bloß auf!“ Ich bekam einen Schreck und war fast froh, dass er mich nicht schlug. Walter wollte mir folgendes beibringen. Er sagte: „Du bist noch nicht mal 18, und ich bin 30 Jahre älter. Also musst Du Respekt vor mir haben.“ Ja, ich sollte lernen, was Respekt bedeutet. Die Achtung vor dem Alter, aber auch vor der Lebensleistung anderer Leute.
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Auszug von Seite 46
Ich wollte weg von Walter. Seine Aggressionsattacken gingen mir auf die Nerven, meine Einsamkeit bereitete mir ernsthafte Probleme, und ich wollte zu einem Menschen, der mich versteht. Herr Brand war mittlerweile selbst nach Portugal in seine Villa gezogen, mit seiner russischen Freundin. Er war bereit, mich aufzunehmen, und nachdem ich mich mit ihm unterhalten hatte, sollten die Pläne wenige Tage später in die Tat umgesetzt werden. Walter hatte davon erfahren und kam auf mich zu. „Dann hast Du es ja geschafft. Aber ich muss Dir eins sagen,“ meinte er, „man merkt immer erst, wie gut man es bei jemand hatte, wenn man nicht mehr dort ist! Aber ich habe Christoph gesagt, dass Du jederzeit wieder zu mir kommen kannst, wenn es Dir dort nicht gefällt.“
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Auszug von Seite 76
Am Flughafen in Faro erwartete mich Christoph. Ich erkannte ihn sofort wieder. Ich war durch die belastenden Geschehnisse der vergangenen Monate leicht verändert und wog nur noch 60 Kilo, aber auch für ihn war das Erkennen kein Problem. Zusammen gingen wir zu seinem Auto, das er auf dem Kurzparkplatz vor dem Gelände abgestellt hatte, und fuhren los. Diesmal fühlte ich mich bei ihm sofort besser aufgehoben. Das kam vielleicht auch dadurch, dass meine Rückkehr nach Portugal freiwillig erfolgte. Wir unterhielten uns auch gut, und so verging die Fahrt über Landstraßen und durch die kleinen Dörfer sehr schnell. Dabei fuhren wir die ganze Küste ab, bis zu einer kleinen Ansiedlung kurz vor Lagos an der Westalgarve. Schon fast am Ziel angelangt, kam uns ein Pferdekarren mit einem Mann, einer Frau, und vollbepackt mit Sachen entgegen. Ich fragte erstaunt: „Was ist denn das?“ Christoph entgegnete: „Ciganos.“ Noch nie zuvor hatte ich das fahrende Volk in seiner natürlichen Umgebung gesehen. Später erfuhr ich von den Zigeunermärkten, wo sich diese Leute mit dem Verkaufen von Kleidung und anderen Gegenständen ihren Lebensunterhalt verdienen.
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Auszug von Seite 82
Schon nach kurzem ging Florence mit mir zu einer deutschen Ärztin in Lagos, die einen Blick auf mich werfen sollte. Schließlich war es wichtig, dass ich bei einem längeren Aufenthalt in guter Verfassung und versichert bin. Die Ärztin hatte ihre Praxis in einem klassischen Wohngebiet, der Weg dorthin war etwas verwirrend. Die Sprechstunde lief wie in Deutschland ab, aber die Behandlung war lockerer und weniger hektisch.
Damit es mir nicht langweilig wurde, sollte ich auch dieses Mal wieder arbeiten. Aber ich sollte nicht dazu gezwungen werden. Das verdiente Geld dürfte ich auch behalten. Florence fragte bei einigen Leuten an. An der Hauptstraße gab es eine Gärtnerei, wo wir zuerst hinfuhren. Ende September brüllte an der Algarve noch die Sonne vom Himmel, und die Arbeit wäre sicher nicht die einfachste geworden. Nachdem ich einen Rundgang auf dem Gelände gemacht hatte, gingen wir, und diese Möglichkeit verlief im Sande. Dann war noch ein Korklager in der Nähe, aber ich machte wohl einen zu verschlossenen Eindruck. Neben der Tatsache, dass ich keine Ausbildung hatte, war bei der Arbeitssuche vor allem problematisch, dass ich kein bisschen Portugiesisch konnte. Aber Florence hörte sich weiter um.



























